Warum kümmert Ihr Euch um Palästina und nicht um andere wichtige Fragen
wie Darfur, Hartz IV, das Weltklima, …?

Dass wir nicht in gleicher Intensität über andere wichtige Fragen reden wie über Palästina hat mehrere Gründe:

  • Im Falle Palästina haben wir in jahrelanger Mühe erfahren, wie schwer es ist, ein verlässliches Bild des Geschehens und der dahinterliegenden Motivationen zu entwickeln. Das, was Medien uns vermitteln muss ständig hinterfragt werden. Dazu ist es nötig, eigene Informationskanäle zu öffnen und zu nutzen, um die in den Medien vermittelten Bilder mit anderen Darstellungen und Erklärungen abgleichen / vergleichen zu können. Bei Palästina hat uns dies zwei Jahre gekostet, bis wir verstanden. Zu Darfur, zum Weltklima, zur sog. Armut in Deutschland können andere mehr beitragen – das soll nicht heißen, dass wir nicht bei Bedarf mittun: unterschreiben, diskutieren, auf die Straße gehen; wir müssen uns dabei nur eben auf die Meinungen und die Vertrauenswürdigkeit anderer verlassen. 
  • Kein Thema ist gerade in Deutschland derartig mit Tabus, Denk- und Redeverboten belegt wie das Thema „Verhalten der Israelis“. In keinem Gebiet werden Wahrheiten derart sogar mittels des Strafrechts durchgesetzt wie in den Themen, die mit Antisemitismusvorwurf verknüpft sind. Dies regt den kultivierten Widerspruchsgeist von durch die Demokratieerziehung der 50-er Jahre gegangenen Menschen an, den die „Gnade der späten Geburt“ davor bewahrt hat, sich von dem nationalistischen Wahn begeistern zu lassen, den das Glück eines gesellschafts-kritischen Elternhauses dazu erzogen hat, stets zunächst die Schwächeren zu beachten, der aber auch den Antiamerikanismus der 68-er Jahre schon wieder mit der „Überlegenheit“ des wenige Jahre Älteren betrachten konnte (was ihn nicht hinderte, bei Anti-Vietnamkriegsdemos mit vor das Amerikahaus in Berlin zu ziehen, wohl aber distanziert sein ließ, wenn die Gruppendynamik mit Ho-Ho-Ho-Chi-Minh-Rufen angefeuert wurde); also: es gibt für uns kein Thema, das so drängend ist, so wichtig ist, durchdacht, durchdrungen zu werden, wie das Thema Israel-Palästina.
  • Wir bekennen uns zur besonderen Verantwortung Deutschlands (und das heißt: der Deutschen) für das Schicksal der Juden in Europa. Wir sehen aber auch die Dynamik, die das zionistische Projekt einer eigenen staatlichen Identität Israels durch die mörderische Politik und die mörderischen Handlungen Nazi-Deutschlands gewonnen hat. Wir meinen, dass die in der UNO 1947vertretene Weltöffentlichkeit erst durch die Veröffentlichungen über die Judenvernichtung durch die Deutschen zum Entschluss kam, Palästina zu teilen und ein übergroßes Stück (besiedelten!) palästinensischen Gebiets für den neu zu gründenden jüdischen Staat zu reservieren und dann auch noch stillzuhalten, als sich dieser Staat als überaus erfolgreich im sofortigen Ausweiten seines Territoriums und in der weitgehenden ethnischen Säuberung dieses Territoriums von den bisherigen Bewohnern erwies.
  • Wir meinen, dass die Subsidien, die Deutschland (genauer: die die Bundesrepublik Deutschland) seither an Israel gezahlt hat und noch zahlt, wesentlich zur Stärkung und Stützung dieses Staates beigetragen haben und mit verantwortlich sind dafür, dass sich Israel schon seit seiner Gründung nicht um ein gedeihliches Verhältnis zu seinen Nachbarn und auch zu seinen Minderheiten bemüht hat.
  • So schlimm das Geschehen in Darfur ist (oder genauer: so schlimm die Berichte von dort sind), im Falle von Palästina sind wir Deutschen nicht nur Voyeure des Grauens, wir sind Teil desselben.
    Und deshalb beschäftigen wir uns primär mit Palästina – und wenn der Frager sich um Darfur kümmern will, so begrüßen wir dies und wir wollen und werden ihn dabei nach Kräften kritisch begleiten und unterstützen. Und: warum hat bisher keiner der Frager, die unsere Fixierung auf Nahost kritisierten unsere aktive Mithilfe bei anderen Problemen eingefordert (also z.B. durch die Bitte, unsere Erfahrungen in Internet-Recherchen für so ein Thema einzusetzen oder Aufrufe zu verteilen. Sprecht uns an, wir wollen nach Kräften mittun!!!

Ganz werden wir den Eindruck nicht los, dass die Frage des „Warum“ unserer Beschäftigung gerade mit Palästina einen Verdacht ausdrücken will: wir wollten einem latenten Antisemitismus (bei uns und bei anderen) das Wort zu reden. Um das klarzustellen: wir halten Antisemitismus für schlimm, wie wir auch Antiislamismus und jede Art von Rassismus für schlimm halten. Menschen aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit mit Vorurteilen zu belegen ist verwerflich. Das wollen wir nicht, das versuchen wir auch anderen zu verwehren indem wir informieren.

Wir halten die Politik des gegenwärtigen Israel und auch die offizielle Politik der Bundesregierung, speziell der Bundeskanzlerin mit ihrer unverbrüchlichen Gefolgschaft gegenüber Israel, möge es Menschenrechte und internationale Verträge verletzen und mit seiner Politik seine eigene Zukunft verbauen, wir halten dies für extrem förderlich für jede Art von Vorurteilen einschließlich dem Antisemitismus.