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'Verstörende Angelegenheit'

24.08.2011 05:00

Christen und Juden empört über israelkritischen Artikel

München - So mancher Pfarrer, der den israelkritischen Artikel in der August-Ausgabe seines Pfarrerblattes gelesen hatte, hat es sich gleich gedacht: 'Das gibt Ärger!' So ist es nun auch. Der Artikel, erschienen im Deutschen Pfarrerblatt, einer theologischen Zeitschrift, die vom evangelischen Pfarrerverband in Deutschland herausgegeben wird, sorgt für Missstimmung zwischen Juden und Christen auf der einen Seite und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auf der anderen.

Die Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit, die sich seit Jahrzehnten für ein gutes Miteinander zwischen beiden Religionen engagiert, fordert vom Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider, eine 'klärende Stellungnahme'. Es handle sich um eine 'außerordentlich verstörende Angelegenheit'. Der Artikel gehe 'über die Grenze des Antisemitismus hinaus', ärgert sich auch der Augsburger Rabbiner Henry Brandt, der jüdische Vorsitzende der Gesellschaft.

Nun ist das Pfarrerblatt eigentlich kein Medium, von dem man erwartet, dass es eine derartige Empörung auslösen kann. Viele Pfarrer werfen die kostenlos versandte Zeitschrift ungelesen in den Papierkorb. Allerdings gehören dem Verband etwa 20000 Pfarrer und Pfarrerinnen in Deutschland an - theoretisch ist der Verbreitungsgrad also hoch. Bei dem nun entbrannten Streit geht es allerdings um mehr als nur um diesen einen Artikel: Es geht um die Frage, wo die evangelische Kirche in ihrem Verhältnis zum Staat Israel steht. Innerhalb der meisten Landeskirchen gibt es zwei Lager: ein pro-israelisches und ein pro-palästinensisches.

Und das pro-palästinensische erfährt in letzter Zeit vielerorts viel Zustimmung.

Die Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit kritisiert nun, dass der unter dem Titel 'Vom Nationalgott Jahwe zum Herrn der Welt und aller Völker' veröffentlichte Artikel eine Absage an die Solidarität mit Israel darstelle. So erhebe der Autor - ein im Fach Altes Testament promovierter Theologe - etwa den Vorwurf, Israel habe vor der Staatsgründung palästinensisches Land geraubt.

Man frage sich, ob diese Position als eine mögliche innerhalb der EKD gelten könne, so die Gesellschaft. Kritik sei legitim, sagt Rabbiner Brandt. Wenn Israel jedoch, wie in diesem Artikel geschehen, die Existenzberechtigung abgesprochen werde, sei das eine schwere Belastung für die Gemeinden in Deutschland. Zumal das Pfarrerblatt eines der 'maßgeblichen Publikationsorgane' innerhalb der EKD sei. Der Ratsvorsitzende wollte sich am Dienstag nicht zu der Kritik äußern. Man werde am Mittwoch eine Erklärung veröffentlichen, teilte die EKD mit.Monika Maier-Albang

http://www.sueddeutsche.de/N5a387/162893/Verstoerende-Angelegenhei.html