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Theologe outet sich als Judenfeind

Deutsches Pfarrerblatt in der Kritik

Katja Tichomirowa

 

BERLIN. Als juden- und israel-feindlich haben die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit einen Artikel des Deutschen-Pfarrerblattes kritisiert. Er provoziere "schwerwiegende Bedenken" heißt es in einem Brief des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit an den Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands, Nikolaus Schneider.

Der Artikel des Alt-Theologen Jochen Vollmer plädiere mit "vorgeblich christlich-theologischen Argumenten" für eine Absage an die theologisch begründete Solidarität mit Israel, heißt es in dem Brief weiter. Zudem werde die Rechtmäßigkeit der Gründung Israels bezweifelt und der Vorwurf erhoben, Israel habe palästinensisches Land geraubt. Der Koordinierungsrat bat um eine "klärende Stellungnahme des Ratsvorsitzenden der EKD.

Die wird es zunächst nicht geben, hieß es am Mittwoch. Das Deutsche Pfarrerblatt sei "kein Organ der EKD", erklärte ihr Pressesprecher, Reinhard Mawick, sondern des Verbandes der Pfarrerinnen- und Pfarrervereine. Er könne allerdings nachvollziehen, dass Passagen des Artikels als Bestreitung des Existenzrechts Israels verstanden werden könnten. "Dies ist weder die Position der EKD noch ihres Ratsvorsitzenden", erklärte Mawik. Vollmer hatte den rheinischen Synodenbeschluss zum Verhältnis von Christen und Juden als "theologisch fragwürdigen Versuch, Schuld zu kompensieren" bezeichnet.

 

Berliner Zeitung 25.8.2011